Lebendfutter ist die natürlichste und nährstoffreichste Ernährungsform für Zierfische, Garnelen und andere Aquarienbewohner. Ob Artemia-Nauplien für die Aufzucht von Fischlarven, Grindalwürmer für kleine bis mittelgroße Fische oder Wasserflöhe als belebendes Zusatzfutter – selbst gezüchtete Futtertiere sind nicht nur gesünder, sondern auch deutlich günstiger als gekaufte Produkte. In diesem umfassenden Guide erfährst du, wie du die wichtigsten Futtertiere ganz einfach selbst ansiedelst, vermehrst und erntest – für eine artgerechte und abwechslungsreiche Ernährung deiner Aquarienbewohner.
Die Selbstzucht von Futtertieren bietet eine Reihe überzeugender Vorteile, die weit über die reine Kostenersparnis hinausgehen. Im Aquaristik-Fachhandel kosten gefriergetrocknete oder tiefgekühlte Lebendfutter-Alternativen schnell mehrere Euro pro Packung. Wer eigene Kulturen anlegt, spart auf Dauer bares Geld und hat gleichzeitig die Qualitätskontrolle selbst in der Hand.
Ein entscheidender Pluspunkt ist der Nährwert: Selbst gezüchtete Futtertiere werden zum optimalen Zeitpunkt geerntet – wenn sie den höchsten Nährstoffgehalt haben. Gekaufte Lebendfutter sind oft mit Konservierungsstoffen belastet oder haben durch lange Transportwege an Qualität eingebüßt. Außerdem vermeidest du das Risiko, Krankheitserreger oder Parasiten über gekaufte Tiere ins Aquarium einzuschleppen.
Nicht zu unterschätzen ist auch der pädagogische Aspekt: Die Beschäftigung mit Futtertier-Zuchten vertieft das Verständnis für aquatische Ökosysteme und biologische Kreisläufe. Kinder und Einsteiler erleben hautnah, wie sich Leben entwickelt und Teil einer Nahrungskette wird. Und nicht zuletzt macht es einfach Freude zu sehen, wie begeistert die eigenen Fische auf frisch geerntetes Lebendfutter reagieren.
Artemia salina, besser bekannt als Salzkrebschen, sind die wohl bekanntesten Futtertiere in der Aquaristik. Ihre Nauplien (Junglarven) sind das ideale Starterfutter für die Aufzucht von Fischlarven und kleinen Fischarten, während die adulten Krebse auch von größeren Aquarienbewohnern gerne angenommen werden.
Die Zucht beginnt mit den Artemia-Eiern (Zysten), die im Fachhandel als Dosendosen oder in Bulk-Packungen erhältlich sind. Für den Ansatz benötigst du:
Der klassische Ansatz erfolgt in einem Artemia-Aufzuchtbehälter – einem kegelförmigen Gefäß (2–5 Liter), das die Trennung von Eischalen und geschlüpften Nauplien erleichtert. Nach 24–36 Stunden bei 28 °C schlüpfen die ersten Nauplien. Die Ernte erfolgt über eine feine Artemia-Fangkelle, die die Larven von den leeren Eischalen trennt.
Schalte vor der Ernte die Belüftung ab – die leeren Eischalen schwimmen oben auf, die lebenden Nauplien sammeln sich am Boden. Ziehe die Nauplien mit einem dünnen Schlauch ab oder verwende eine Pipette. Für die tägliche Fütterung reichen 1–2 Teelöffel geerntete Nauplien pro 100 Liter Aquarienwasser. Artemia-Nauplien können 2–4 Tage ohne Fütterung überleben – füttere sie spätestens nach 3 Tagen, da sie dann verkümmern.
Für die Anzucht adulter Artemia (die bis zu 1 cm groß werden) setzt du die geschlüpften Nauplien in ein größeres Becken mit Salzwasser (ca. 3–5 Liter) um und fütterst sie täglich mit Spirulina-Pulver oder Hefe. Nach 2–3 Wochen erreichen sie ihre Endgröße und können als „Artemia adulta" geerntet werden. Besonders praktisch: Komplette Artemia-Zuchtsets enthalten alles Nötige für den schnellen Einstieg.
Grindalwürmer (Enchytraeus buchholzi) sind kleine, weißlich durchscheinende Fadenwürmer mit einer Größe von 5–15 mm. Sie sind ideal für Fische mit kleinen Mäulern wie Zwergbuntbarsche, Salmler, Badis und Killifische. Der große Vorteil: Grindalwürmer sind enorm produktiv und liefern bei richtiger Pflege wochenlang konstante Erträge.
Die Zucht von Grindalwürmern ist denkbar einfach und benötigt kaum Platz. Du brauchst:
Die Dose wird an einem dunklen Ort bei Raumtemperatur aufbewahrt. Locke das Substrat alle 2–3 Tage leicht auf und gib eine kleine Prise Futter auf die Oberfläche. Nicht überfüttern! Futterreste, die anfangen zu schimmeln, entferne sofort – Schimmelpilze sind der häufigste Grund für das Absterben einer Grindalwurm-Kultur.
Zur Ernte legst du ein kleines Stück Frischhaltefolie oder eine Glasscherbe auf die Substrat-Oberfläche und gibst etwas Futter darauf. Die Würmer kriechen nach 2–4 Stunden an die Oberfläche und sammeln sich unter der Folie. Du kannst sie dann einfach mit einem feinen Pinsel oder einer Pinzette abnehmen und direkt ins Aquarium geben. Eine zweite Methode: Das gesamte Substrat in ein feines Sieb geben und mit Wasser ausspülen – die Würmer bleiben im Sieb zurück.
Ein gesunder Kulturansatz liefert bei guter Pflege ein- bis zweimal pro Woche eine ausreichende Portion für ein 100-Liter-Becken. Nach 2–3 Monaten solltest du die Kultur teilen oder neu ansetzen, da sich im Substrat Abfallstoffe anreichern.
Mikrowürmchen (Panagrellus redivivus) sind winzige Fadenwürmer, die nur etwa 0,5–2 mm groß werden. Sie sind das ideale Erstfutter für ganz junge Fischlarven, die noch keine Artemia-Nauplien fressen können. Die Zucht ist extrem einfach und ähnelt der von Grindalwürmern.
Du benötigst ein flaches Glas- oder Kunststoffgefäß mit dicht schließendem Deckel, in den du einige winzige Luftlöcher stichst. Als Substrat dient eine Mischung aus:
Der Brei wird in das Gefäß gefüllt, mit einer Starterkultur Mikrowürmchen beimpft und mit dem Deckel verschlossen. Die Kulturen stehen bei 20–26 °C an einem dunklen Ort. Bereits nach 2–3 Tagen kriechen die ersten Würmchen an den Gefäßrändern hoch – sie sind an der glasigen, leicht schimmernden Schicht erkennbar.
Die Ernte erfolgt durch einfaches Abstreichen der Würmchen von der Gefäßwand mit einem feinen Pinsel oder weichen Finger. Die Würmchen werden direkt ins Aufzuchtbecken gespült. Du kannst sie auch mit einer Pipette aufnehmen. Mikrowürmchen-Kulturen sind etwa 3–4 Wochen produktiv, bevor sie erneuert werden müssen. Danach einfach einen neuen Brei ansetzen und mit einem Teelöffel der alten Kultur neu beimpfen.
Besonders wertvoll sind Mikrowürmchen für die Aufzucht von Diskus-Larven, Kampffisch-Brütlingen und anderen Zierfischen mit extrem kleinen Larven. Sie liefern hochwertiges Eiweiß und sind durch ihre ständige Bewegung ein starker Futterreiz.
Daphnien, umgangssprachlich Wasserflöhe genannt, sind kleine Süßwasserkrebse, die sich hervorragend für die Zucht in Gartenteichen oder speziellen Innenbecken eignen. Sie sind reich an Ballaststoffen und wirken verdauungsfördernd – ideal als Ergänzung zu proteinreichem Futter wie Mückenlarven oder Granulat.
Die Zucht von Daphnien ist im Freien am einfachsten: Ein Eimer (10–20 Liter) oder ein Gartenteich-Abschnitt mit stehendem Wasser und reichlich Algenwachstum ist der perfekte Lebensraum. Für die Indoor-Zucht eignet sich ein flaches Becken (10–30 Liter) ohne Filter, aber mit sanfter Belüftung. Wichtige Parameter:
Für den Ansatz genügen 10–20 Starter-Daphnien. Unter guten Bedingungen vermehren sie sich explosionsartig. Achte darauf, dass das Wasser nicht umkippt – die größte Gefahr bei der Daphnien-Zucht ist Sauerstoffmangel durch zu viel Futter. Starte mit sehr geringen Futtermengen (1 Gramm Hefe pro 20 Liter) und steigere dich langsam.
Daphnien sind Filtrierer und ernähren sich von Schwebalgen, Bakterienflocken und feinen Partikeln. Ein wöchentlicher Wasserwechsel von 20–30 % hält die Wasserqualität stabil. Die Ernte erfolgt mit einem feinen Netz (Maschenweite 0,5–1 mm). Fange nur so viele, wie du innerhalb von 2–3 Tagen verfüttern kannst – Daphnien sind im Aquarium nicht lange haltbar.
Tipp für eine konstante Versorgung: Lege mehrere Kulturen im Abstand von 1–2 Wochen an. Ernte abwechselnd aus den verschiedenen Behältern. So hast du immer eine produktive Kultur zur Hand und vermeidest Ausfälle durch Überschreitung der Tragfähigkeit des Wassers.
Die folgende Tabelle hilft dir bei der Auswahl der richtigen Futtertier-Art für deine spezifischen Bedürfnisse:
| Futtertier | Aufwand | Nährwert | Größe | Ideal für | Produktion |
|---|---|---|---|---|---|
| Artemia-Nauplien | Mittel | Sehr hoch (45–55 % Protein) | 0,3–0,5 mm | Fischlarven, kleine Salmler, Jungfische | Alle 2–3 Tage neuer Ansatz |
| Artemia adulta | Hoch | Hoch (40–50 % Protein) | 8–10 mm | Größere Zierfische, Skalare, Diskus | Nach 2–3 Wochen |
| Grindalwürmer | Niedrig | Hoch (ca. 50 % Protein) | 5–15 mm | Zwergbuntbarsche, Salmler, Killifische | Wöchentlich |
| Mikrowürmchen | Sehr niedrig | Mittel (30–40 % Protein) | 0,5–2 mm | Ganz junge Fischlarven, Brut | Wöchentlich |
| Daphnien | Niedrig | Mittel–Hoch (45–55 % Protein, Ballaststoffe) | 1–5 mm | Alle Zierfische, besonders als Ergänzungsfutter | Alle 3–7 Tage |
Für den Einstieg in die Futtertier-Zucht brauchst du kein teures Spezialequipment. Die Grundausstattung ist überschaubar und günstig. Folgende Utensilien solltest du parat haben:
Ein besonders empfehlenswertes Komplettset für Einsteiger ist das Artemia-Zuchtset Komplett inklusive Zysten und Salz, mit dem du sofort loslegen kannst. Fortgeschrittene Aquarianer greifen zu einem Futtertier-Zuchtstation-Komplettset, das gleich mehrere Kulturen aufnehmen kann.
Auch bei der einfachen Zucht von Futtertieren können Fehler passieren. Hier die häufigsten Stolperfallen:
Frisch geerntete Futtertiere sollten möglichst sofort verfüttert werden. Artemia-Nauplien sind im Kühlschrank (4–8 °C) maximal 6–12 Stunden haltbar, Grindalwürmer 2–3 Tage in einem feuchten Tuch im Kühlschrank. Mikrowürmchen überleben einige Stunden im Aufzuchtbecken. Am besten erntest du immer nur so viel, wie du direkt benötigst.
Nein, verschiedene Arten sollten immer getrennt kultiviert werden. Grindalwürmer und Mikrowürmchen benötigen unterschiedliche Substrate und Futtermittel. Daphnien und Artemia vertragen sich zwar theoretisch, aber die Salzkonzentration ist unterschiedlich. Separate Behälter sind die sicherere Lösung.
Mikrowürmchen und Grindalwürmer sind ideal für absolute Anfänger. Sie brauchen kaum Technik (keine Heizung, keine Belüftung), vermehren sich schnell und verzeihen kleinere Pflegefehler. Artemia erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit (Salzwasser, Belüftung, Temperatur), lohnt sich aber wegen der hohen Nährstoffdichte.
Bei guter Pflege und optimaler Temperatur (20–24 °C) kannst du etwa 2 Mal pro Woche ernten. Kühlere Temperaturen verlangsamen die Vermehrung, erhöhen aber die Haltbarkeit der Kultur. Nach 8–12 Wochen solltest du die Kultur teilen oder neu ansetzen.
Bei kleinen Ansätzen (unter 10 Liter) ist eine sanfte Belüftung empfehlenswert, da Sauerstoffmangel die häufigste Todesursache in Daphnien-Kulturen ist. Bei größeren Behältern mit viel Oberfläche und moderatem Besatz reicht die natürliche Diffusion oft aus. Achte auf eine leichte Wasserbewegung, aber keine starke Strömung.
Die Selbstzucht von Futtertieren ist eine der lohnendsten Investitionen für jeden Aquarianer. Du sparst nicht nur Geld, sondern bietest deinen Fischen die höchste Qualität an Lebendfutter, die es gibt. Der Einstieg ist einfach und gelingt mit den richtigen Grundlagen fast immer auf Anhieb. Starte mit einer Kultur – zum Beispiel Mikrowürmchen oder Grindalwürmer – und erweitere nach und nach dein Repertoire. Nach wenigen Wochen wirst du den Unterschied in der Farbenpracht und Vitalität deiner Fische deutlich sehen.
Denke daran: Jede Futtertier-Zucht ist ein kleines Ökosystem, das sich selbst reguliert. Beobachte deine Kulturen regelmäßig, passe die Pflege an und schon wirst du zuverlässig mit hochwertigem Lebendfutter versorgt. Deine Aquarienbewohner werden es dir mit gesundem Wachstum, leuchtenden Farben und vitalem Verhalten danken.
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Dieser Guide wurde zuletzt aktualisiert am 5. Juni 2026. Die Amazon-Preise und Verfügbarkeiten können abweichen. Wir empfehlen, vor dem Kauf die aktuellen Produktinformationen auf Amazon zu prüfen.